Industrial Quality
Oktober 2017

Nicht ohne mein Qualitätsmanagement

Zu den Organisationspflichten des Unternehmers beziehungsweise des Funktionsträgers gehört der Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems (QMS). Dieses QMS muss der Herstellerverantwortung gerecht werden und zwar auf der Ebene des Berechnungsingenieurs.

Der Unternehmer ist der Spezialist für die Durchführung von Analysen, vielleicht sogar für die Qualifikation des zu entwickelnden Produkts. Produktmanager, Konstruktionsverantwortliche oder andere Auftraggeber von Berechnungsaufgaben können die Unschärfen bei Vorgaben zur Analyse durch die gewählte Modellbildung oder durch die rechnerischen Analyseverfahren in der Regel nicht beurteilen. Sie sind daher auf die Instruktion durch den Berechnungsingenieur angewiesen.

Qualifikation der Mitarbeiter

Die Qualifikation der am Projekt beteiligten Mitarbeiter muss – insbesondere bei einer hohen Risikostufe – bezüglich der Zielsetzungen der Aufgabenstellung nachgewiesen sein. Sie können in vier Kategorien unterteilt werden:

Einstufung des Risikos als Leitfaden

Die Klassifizierung eines Berechnungsprojektes in Risikostufen stellt eine der wichtigsten Aufgaben des Prozessmanagements bei Durchführung technischer Berechnungen dar. Sie orientiert sich an der Frage, ob die Aufgabe als Sicherheitsnachweis gedacht ist oder ob es sich lediglich um eine konstruktionsbegleitende rechnerische Abschätzung handelt. Von der Risikostufe sind Umfang und Aufwand der anzufertigenden Berechnungs- und Prüfdokumentationen abhängig, da im Falle sicherheitsrelevanter Berechnungen wesentlich höhere Anforderungen bestehen. Sie bestimmt maßgeblich

Ein Berechnungsprojekt erfordert zur Festlegung der Aufgabenziele, des Lösungswegs sowie zur Identifikation der Zuständigkeiten eine schriftliche und prüffähige Form. Eine objektive Prüfbarkeit der Anforderungen an die Berechnungsaufgabe sowie die Darlegung von Anwendungsgrenzen ist ohne einen detailliert aufgestellten Analyseplan nicht realisierbar. Prüfkriterien für Vertragsdokumente beziehungsweise für intern erteilte Aufträge sind eine klare und vollständige Beschreibung, die Gültigkeit der Lösungsansätze sowie die Zuverlässigkeit der Analysen.

Der Analyseplan beschreibt auch die Kriterien, nach denen ein Produkt bewertet werden kann (empirische Regeln, zulässige Spannungen oder Grenzzustände) und gibt Auskunft über die gewählte Risikoklasse. Der Analyseplan enthält somit eine Leistungsbeschreibung und bestimmt die Pflichten des Berechnungsingenieurs.

Ein derart strukturiertes Vorgehen bietet Vorteile für die Verteilung der Verantwortlichkeiten zwischen Kunde und Bearbeiter und damit letztlich für den Erfolg eines Projekts. Da der Auftraggeber meist nicht über vertiefte fachliche Kenntnisse verfügt, muss er mit dem Analyseplan über die Anwendungsgrenzen des jeweiligen Berechnungsverfahrens sowie der getroffenen Annahmen so informiert werden, dass er die daraus resultierenden Risiken verstehen kann. Dies betrifft insbesondere Unschärfen, wie sie beispielsweise durch Abweichungen der Modellbildung von der Realität durch Annahmen unvermeidlich sind.

Die Unschärfen ergeben sich durch die Beschreibung der Aufgabenstellung, die gewählte Modellbildung sowie die Randbedingungen, Lasten und Einstellungen zur Berechnung der Lösung. Diese sind mit dem Auftraggeber zu identifizieren und abzuklären.

Transparentes Prozessmanagement

Da Fehler in einer Computersimulation nicht ausgeschlossen werden können, verbleibt für den Projektingenieur ein erhebliches fachliches und somit juristisches Risiko. Ein konsequentes Prozess- beziehungsweise Qualitätsmanagement in Verbindung mit einem Vertrags- und Claim-Management trägt dazu bei, diese fachlichen und juristischen Risiken zu verringern oder zu vermeiden. Im Schadensfall ist es kaum vorstellbar, die Organisationsverantwortung ohne ein dokumentiertes, zertifiziertes QM-System glaubwürdig und schuldbefreiend darstellen zu können.

 

Prof. Dr.-Ing. Claus König, Fachgebiet Baumechanik­, BTU Cottbus-Senftenberg

Klaus G. Finck, FASP Finck Sigl & Partner

Rechtsanwälte Steuerberater mbB, München

Claus König und Klaus D. Finck sind Referenten des ESoCAET-Seminars „Qualitätsmanagement für FE-Berech­nungen“ und „Die Risiken des Berechnungs­ingenieurs“ der CADFEM GmbH.

www.esocaet.com